Ex Silentio

When watching externally hosted videos, third parties (YouTube, Idagio, Vimeo) will have access to some of your transmitted data.
Please have a look at our privacy policy for additional details.

Ex Silentio
Fanie Antonelou – Sopran
Dimitris Kountouras – Blöckflöte und Leitung
Vasilis Zigeridis – Kanun
Andreas Linos – Viola da Gamba
Alexis Mastichiadis – Cembalo

Werke von Frangiskos Leondaritis, Frate Cherubino Cavallino, Johann Joachim Quantz und Georg Friedrich Händel

Nymphen und andere Mythen

Pastorale Idylle von der Renaissance bis zu Händel

Die griechische Mythologie: Seit den Anfängen der Renaissance in Italien ist sie eines der wichtigsten Themen für die weltliche Dichtung und Musik. Beeinflusst von der humanistischen Wiederbelebung der antiken Literatur und des antiken römisch-griechischen Geistes wurden ab dem 14. Jahrhundert die Mythen der großen Schriftsteller der Antike – Ovid, Virgil und Theokritos – zur Inspirationsquelle. Basierend auf diesen Stoffen schrieben viele Dichter „poesia per musica“, also speziell zum Zweck der Vertonung geschriebene Dichtung, die in einem pastoralen Umfeld verortet ist – „Arkadien“ genannt.

Der pastorale Stil wurde zur poetischen Gattung und beeinflusste nicht nur die italienischen Dichter, sondern auch zahlreiche Künstler in ganz Europa. Das mythische Arkadien ist ein idyllisches Land der Hirten, das an den Garten Eden erinnert und in dem der Leser der Realität entrinnen kann. Mythologische Personen wie Nymphen sind zentral in diesem pastoralen Szenario voller Liebesabenteuer. Sie erscheinen als Waldgottheiten mit Namen wie Phyllis und Chloris. Sie symbolisieren, oft als Begleitung Dianas, Reinheit und Jugend. Diese Charaktere, in der antiken Literatur meist sekundäre Figuren, werden in der musiko-poetischen Literatur der Madrigale und Canzonetten der Renaissance zu Protagonistinnen.

Unser Programm präsentiert dieses Arkadien mit seinen mythologischen Gestalten, den Nymphen, als eine Einheit, die die weltliche Musik vom Ende des 16. Jahrhunderts bis in Händels Zeit verbindet. Diese gemeinsame Grundlage inspirierte und nährte die Phantasie der Komponisten bis zum Barock. Ex Silentio ist eines der wenigen griechischen Ensembles, die sich auf Alte Musik und historische Aufführungspraxis spezialisiert haben. In unseren Projekten verbinden wir häufig das mittelalterliche Repertoire mit Werken der Renaissance und des Barock bis hin zu zeitgenössischer Musik.

Sogar Liebhabern Alter Musik ist weitgehend unbekannt, dass es vor der Romantik griechische Komponisten gab. Doch es ist naheliegend, wenn man an die engen Beziehungen von Kreta und anderen Teilen Griechenlands zu Venedig im 16. und 17. Jahrhundert denkt.

Franciscus Leondaritis (Francesco Londariti) war ein katholischer Komponist aus Kreta, der nach Italien emigrierte und Sänger im Chor von Sankt Markus in Venedig wurde. Er schrieb geistliche Musik und einige weltliche vokale Stücke – Madrigale und Canzonetten. Zwei seiner Canzonette napoletane zu drei Stimmen stellen wir in unserem Programm vor. Sein Landsmann Franciscus de Laudis, Komponist und Posaunist, stammte aus einer Familie katholischer Musiker, die in Venedig als Bläser tätig waren. Eines seiner wenigen erhaltenen Werke, eine dreistimmige Canzonetta, ist ebenfalls Teil des Konzerts. Sie zeigt, wie auch Leontaritis' Werke, eine starke Affinität zur venezianischen Musik des 16. Jahrhunderts. Beide Komponisten stehen exemplarisch für die engen kulturellen Beziehungen zwischen der griechisch-kretischen Tradition und Italien im Cinquecento während der sogenannten „Kretischen Renaissance“. In dieser Zeit entstanden in Venedig auch drei umfangreiche Sammlungen von Madrigalen mit der seltsamen Bezeichnung „Greghesche“. Die Texte dazu sind in einem pseudogriechisch-venezianischen Idiom verfasst, das die Sprache der griechischen Söldner der Serenissima parodiert. Ein Beispiel dafür ist das vierstimmige Benedetta Gregaria von Annibale Padovano.

Ninfa del mar di Creta, eine bisher unveröffentlichte Sammlung von neun Solostücken für Sopran und Basso Continuo von Frate Cherubino Cavallino, stammt aus den Anfängen des 17. Jahrhunderts. Die Hommage an eine gewisse „Nymphe von Kreta“ ist ein reizvolles Beispiel des frühen monodischen Stils. Ein traditionelles Lied aus Kreta hingegen, von Ex Silentio instrumental wiedergegeben, gehört zur Gattung des Risitiko, dem ältesten Typ kretischer Volkslieder. Mit seiner Einfachheit und seiner faszinierenden melodischen Struktur drückt es die ländlich-pastorale Atmosphäre aus, die den Hörern der Renaissance so lieb war. Auch Instrumentaltänze und Masques aus England haben oft mythologische Titel. Sie sind verbunden mit der französisch-höfischen Ballettkultur des 17. Jahrhunderts und erlauben einen Blick auf das englische Musikleben vor dem Einsetzen der italienischen Mode.

Die drei Kantaten für Sopran von Georg Friedrich Händel, Filli adorata e cara, Clori, vezzosa Clori und Pensieri notturni di Filli werden von Fanie Antonelou gesungen. Mit ihrer mythologischen Thematik und der zentralen Rolle der Nymphen Phyllis und Chloris passen sie perfekt in unser Programm. Sie spannen den Bogen von der Renaissance bis zu weltlichen Kantaten des großen deutschen Komponisten des 18. Jahrhunderts, in denen die pastorale Idylle den ‚Ton‘ angibt.

Dimitris Kountouras

With kind support from